Streikbulletin Vahed

 

Ausgabe: 2            Datum: 28.01.2006

 

Zum Streik der „Öffentlichen Busbetriebe Teheran und Umgebung

 

Ø      Massiver Gewalteinsatz gegen den Streik
Über 500 Festnahmen

Ø      Communique der Presseabteilung der GÖTB

 

 

 

Massiver Gewalteinsatz gegen den Streik

Über 1200 Festnahmen

Bahman Shafigh

 

Textfeld: Communique der Presseabteilung der GÖTB Am frühen Morgen der heutigen 28.01.06 und in Folge der Ankündigung des Streiks, haben die Sicherheitskräfte ca. 500 Gewerkschaftsmitglieder inhaftiert und sie zu einem unbekannten Ort transportiert. Sie haben zudem in einer bereit angelegten Aktion viele Familienmitglieder der Gewerkschafter festgenommen und bei ihren bruta-len Überfällen auch die Einrichtungen der Wohnungen demoliert. Um den Streik abzubrechen, haben die uniformierten und in zivil bekleideten Sicherheitskräfte Tränengas ange-wendet und den Fahrern mit der Erschießung angedroht. Gegen weitere 100 Personen wurde Haftbefehl erteilt. Die Versprechen der Justizbehörden an die Familie von Herrn Ossanlou, nach denen Harr Ossanlou heute das Gefängnis verlassen sollte, wurden bis jetzt nicht umge-setzt. Herr Ossanlou sitzt weiterhin in Haft. Die wütenden Arbeiter haben angekündigt, dass sie nach den heutigen Ereignissen, andere Wege des Protests su-chen würden. Die GÖTB verurteilt diese Repressalien und betrachtet sie als ein weiterer Schritt Richtung Unterdrückung der elementaren Rechte der Arbeiter und ruft alle Arbeiter-organisationen und –Vereine des Irans und der Welt zum Beistand und Hilfe auf. Wir werden Sie weiterhin benachrichtigen. Presseabteilung der GÖTB 8.11.1384 28.01.06Ein anderer Verlauf des Streiks wäre eine Überraschung gewesen. Der heutige Streik der Teheraner Busfahrer wurde auf brutalste Weise gestoppt. Seit den frühen Stunden des heutigen Tages hat ein Großeinsatz der Sicherheitskräfte in den zentralen Bezirken des Streiks dazu geführt, dass der Streik nicht an Lauf gewinnen konnte. Die Strategie der Nulltoleranz wurde konsequent durchgesetzt. Damit hat das Regime seine restliche Legitimität als „Beschützer der Schwächeren“ eingebüßt.

Hassan Mohammadi, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Öffentlichen Busbetriebe Teheran und Umgebung (GÖTB) beschreibt die Lage in einem Interview mit Radio „Avaye Ashena“ am frühen Morgen mit folgenden Worten: „Seit den frühen Morgenstunden haben die Sicherheitskräfte die Zugangswege zu den Busdepots der Bezirke blockiert und den Personal keinen Zutritt gewährt. Ein Verbund von Werksicherheit und Islamischer Miliz und regulären Sicherheitskräfte sorgte dafür, dass die aktiven Gewerkschafter sofort erkannt und inhaftiert wurden. Durch massiven Einsatz der Gewalt haben die Sicherheitskräfte die Busfahrer gezwungen, sich in die Busse zu setzen und los zu fahren. Wer sich gewehrt hat, wurde brutal niedergeknüppelt und festgenommen. Schon mitten in der Nacht haben die Sicherheitskräfte die Wohnung von Herrn Salimi gestürmt und die Ehefrauen von Herren Salimi, Haiat Gheibi, Madadi und Torabian festgenommen. Wir wissen schon, dass einige der Inhaftierten mit einem Hungerstreik begonnen haben.“ Salimi, dessen Frau verhaftet wurde, hat zu dem erklärt, dass sich auch seine zwei Kinder unter den Inhaftierten befinden. Eins von den Kindern ist erst 2 Jahre alt.

Die genaue Zahl der Inhaftierten ist unbekannt und schwankt zwischen einer Zahl über 300 bis zu einer Zahl von 2000. Doch die nächsten Schätzungen der noch freien, wohlgemerkt flüchtigen, Vorstandsmitglieder belaufen sich auf eine Zahl von über 500 Festnahmen. Mohammadi berichtet von Telefonaten seitens der Kollegen von den Bezirken 4 und 6, wonach Busse voll von Inhaftierten die Depots verlassen. Unter den Inhaftierten befanden sich wahrscheinlich auch Studenten und Arbeiter anderer Betriebe, die ihre Solidarität mit den Kollegen der Busbetriebe zum Ausdruck bringen wollten und sich vor den Depots versammelt hatten.

Laut Angaben der Gewerkschafter verkehrten heute Morgen fast 50% der Teheraner Busse. Die Fahrer wurden von Sicherheitskräften überwacht, die auf den Plätzen der ersten Reihe saßen. An die Endstation einer Linie angekommen, dürften die Busfahrer nicht einmal den Bus verlassen und eine Pause anlegen. Die Fahrt musste sofort fortgesetzt werden. Auch die Eingänge der Depots waren durch quer geparkte Busse blockiert, damit kein Fahrer zum Depot zurückfahren konnte.

Die Brutalität der Sicherheitskräfte hat offensichtlich die Gewerkschafter überrascht, zumal die Gewerkschaft bis dato sich streng auf dem Boden des Legalen bewegt hatte. Salimi gibt dies in einem Interview mit Radio „Avaye Ashena“ zu und bedauert, dass das Regime noch einmal die Sprache der Gewalt ausgewählt hat.

Der Restvorstand der Gewerkschaft will sich im Laufe der nächsten Stunden über den weiteren Verlauf des Kampfes entscheiden. Von verschiedenen Mitgliedern des Vorstands werden unterschiedlichen Aktionen in Erwägung gezogen. U. a. wird über den Vorschlag diskutiert, eine Sitzaktion vor dem Parlamentsgebäude bzw. vor dem UNO-Quartier in Teheran zu organisieren. Auch über eine Fortsetzung des Streiks wird nachgedacht. Die Fahrer sollten in diesem Fall ab Montag überhaupt nicht auf der Arbeit erscheinen und zuhause bleiben.

Eins ist jedoch klar: Die Arbeiter der Teheraner Busbetriebe sind Jetzt mehr denn je auf eine bereite internationale Unterstützung angewiesen.

b-shafigh@siasate-kargari.com