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Ausgabe: 2 Datum: 28.01.2006
Zum Streik der „Öffentlichen Busbetriebe Teheran und Umgebung“
Massiver Gewalteinsatz gegen den Streik Über 1200 Festnahmen Bahman Shafigh
Hassan Mohammadi, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Öffentlichen Busbetriebe Teheran und Umgebung (GÖTB) beschreibt die Lage in einem Interview mit Radio „Avaye Ashena“ am frühen Morgen mit folgenden Worten: „Seit den frühen Morgenstunden haben die Sicherheitskräfte die Zugangswege zu den Busdepots der Bezirke blockiert und den Personal keinen Zutritt gewährt. Ein Verbund von Werksicherheit und Islamischer Miliz und regulären Sicherheitskräfte sorgte dafür, dass die aktiven Gewerkschafter sofort erkannt und inhaftiert wurden. Durch massiven Einsatz der Gewalt haben die Sicherheitskräfte die Busfahrer gezwungen, sich in die Busse zu setzen und los zu fahren. Wer sich gewehrt hat, wurde brutal niedergeknüppelt und festgenommen. Schon mitten in der Nacht haben die Sicherheitskräfte die Wohnung von Herrn Salimi gestürmt und die Ehefrauen von Herren Salimi, Haiat Gheibi, Madadi und Torabian festgenommen. Wir wissen schon, dass einige der Inhaftierten mit einem Hungerstreik begonnen haben.“ Salimi, dessen Frau verhaftet wurde, hat zu dem erklärt, dass sich auch seine zwei Kinder unter den Inhaftierten befinden. Eins von den Kindern ist erst 2 Jahre alt. Die genaue Zahl der Inhaftierten ist unbekannt und schwankt zwischen einer Zahl über 300 bis zu einer Zahl von 2000. Doch die nächsten Schätzungen der noch freien, wohlgemerkt flüchtigen, Vorstandsmitglieder belaufen sich auf eine Zahl von über 500 Festnahmen. Mohammadi berichtet von Telefonaten seitens der Kollegen von den Bezirken 4 und 6, wonach Busse voll von Inhaftierten die Depots verlassen. Unter den Inhaftierten befanden sich wahrscheinlich auch Studenten und Arbeiter anderer Betriebe, die ihre Solidarität mit den Kollegen der Busbetriebe zum Ausdruck bringen wollten und sich vor den Depots versammelt hatten. Laut Angaben der Gewerkschafter verkehrten heute Morgen fast 50% der Teheraner Busse. Die Fahrer wurden von Sicherheitskräften überwacht, die auf den Plätzen der ersten Reihe saßen. An die Endstation einer Linie angekommen, dürften die Busfahrer nicht einmal den Bus verlassen und eine Pause anlegen. Die Fahrt musste sofort fortgesetzt werden. Auch die Eingänge der Depots waren durch quer geparkte Busse blockiert, damit kein Fahrer zum Depot zurückfahren konnte. Die Brutalität der Sicherheitskräfte hat offensichtlich die Gewerkschafter überrascht, zumal die Gewerkschaft bis dato sich streng auf dem Boden des Legalen bewegt hatte. Salimi gibt dies in einem Interview mit Radio „Avaye Ashena“ zu und bedauert, dass das Regime noch einmal die Sprache der Gewalt ausgewählt hat. Der Restvorstand der Gewerkschaft will sich im Laufe der nächsten Stunden über den weiteren Verlauf des Kampfes entscheiden. Von verschiedenen Mitgliedern des Vorstands werden unterschiedlichen Aktionen in Erwägung gezogen. U. a. wird über den Vorschlag diskutiert, eine Sitzaktion vor dem Parlamentsgebäude bzw. vor dem UNO-Quartier in Teheran zu organisieren. Auch über eine Fortsetzung des Streiks wird nachgedacht. Die Fahrer sollten in diesem Fall ab Montag überhaupt nicht auf der Arbeit erscheinen und zuhause bleiben. Eins ist jedoch klar: Die Arbeiter der Teheraner Busbetriebe sind Jetzt mehr denn je auf eine bereite internationale Unterstützung angewiesen.
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